KARL MENZEN 1950 - 2020

Die Menschen am Kunstort Lehnin trauern um einen Freund und Künstler


Liebe Lisa, liebe Trauernde,

Lieber Karl,

vor 40 Jahren habe ich Dich kennengelernt, durch meine Frau Margrit, die Dich schon seit 1970 kannte und sehr schätzte. In der Folgezeit bist Du zu dem beständigen, lieben Freund, Weggefährten und Kollegen geworden, ohne den es zu vielen guten Ereignissen, ja, Höhepunkten in meinem Leben nicht gekommen wäre!

Dazu muß ich etwas zurückgehen in die 80er Jahre. Du warst damals Assistent bei dem bekannten Bildhauer Volkmar Haase, der Deine Fähigkeiten im Umgang mit seinem Werkstoff Edelstahl sehr schätzte und Dich in immer kompliziertere Aufgaben einbezog. Die intensive Auseinandersetzung mit künstlerischen und technischen Fragen in Haases Atelier, regte Dich, inzwischen Diplom-Ingenieur der Werkstoffwissenschaften, mehr und mehr an, eigene Wege zu gehen – in der Kunst.

Da trafen wir uns, das war die damalige Gemengelage. Du hattest den ganz starken Drang zu einer eigenen künstlerischen Formensprache zu kommen, und auch ich war in einer Umbruchsituation – das führte zu vielen intensiven Gesprächen und Begegnungen. Doch dabei blieb es nicht.

1983 hattest Du mir schon beim Entwurf des „Goldenen Esels“ wichtige Hinweise gegeben und später diese große Skulptur geschweißt. Der Umgang mit dem cruden Stahl hat Dich angeregt, dem Edelstahl zeitweilig valet zu sagen und Deine ersten „Transformationen“ zu schaffen.

Beim „Seestück“ 1985 (ein Haveldampfer steckte im Sand zwischen Nationalgalerie und Matthäi- Kirche), hast Du mit genialer Schweißtechnik den 15m hohen, mächtigen Schiffskörper sicher in Schräglage in den Sand gesteckt. Eine Meisterleistung. Deine eigene Arbeit hast Du gut organisierter Mensch nicht vernachlässigt. So konntest Du Dich am „Kunststück Farbe“ 1988 mit einer Deiner ersten, größeren Skulpturen beteiligen.

Bei „Kunst besetzt die Stadt“,1989, einem Projekt, zu dem ich Bildhauer und Maler einlud, sich mit Skulpturen auf der Basis von stählernen Rohren zu beteiligen, die dann als „Nomadenskulpturen“ berühmt-berüchtigt wurden, warst Du nicht nur mit einer eigenen Arbeit beteiligt, sondern hattest zudem entscheidenden Anteil am Gelingen der Aktion – denn, Du hast uns Malerinnen und Malern unsere Arbeiten geschweißt! Bei all den spektakulären und ungenehmigten Aktionen mit diesen Skulpturen warst Du beteiligt, ja, nur Du wußtest, wie die ungeschlachten, zum Teil mit Beton gefüllten Riesen-Massen gehoben werden konnten. Ich muß hier den Statiker-Freund Reinhard Knote und unseren Kunst-Freund Lutz Alder von der Fa. Strabag nennen, die mit außergewöhnlichem Engagement und Expertise uns zur Seite standen.

Es war ein Kunst-Abenteuer, dass wir in freudiger Spannung über viele Wochen durchgehalten haben. Die Krönung war der Verkauf aller Skulpturen nach Salzgitter, wo sie um einen kleinen See herum aufgestellt wurden und heute noch stehen.

In der Wendezeit 1991 haben wir die Schneefräse stibitzt, zusammen mit dem Bildhauer Christian Röhrl.

Später hast Du die Befestigungstechnik für den „Panzer-Ersatz“ auf dem Panzersockel in Dreilinden geschweißt und bist mit mir da oben herumgeturnt.

Unvergessliche Momente gemeinsamen Glücks!

Inzwischen wuchs der Skulpturengarten am Klostersee zu einem beachtlichen Kunststandort im Großraum Berlins heran.

Natürlich mit Skulpturen von Dir!

Du bist von der Gründung an ein verlässlicher, künstlerischer Förderer des Instituts für Kunst und hast großen Anteil an seiner Entwicklung.

Ein Werk aus Deiner Hand ist, ja, so kann man es sagen, das Wahrzeichen des Instituts geworden.

Es ist die größte und gewichtigste Skulptur im Park: „Transformation I, 2004“.

Eine faszinierende Arbeit, bis heute ein Rätsel für viele Besucher. Wie kann man so etwas technisch lösen, wie diese Masse, dieses Gewicht, verformen, in diese offene, raumgreifende und doch in sich gebundene Form bringen.

Ich durfte dabei sein, erleben wie dieses grandiose Werk entstand und es mit Dir aufstellen.

Danke, Karl, Du liebenswerter, großherziger Mensch, Freund und großer Künstler!

Du hast außer der Mitarbeit im Kunstkuratorium niemals Ämter im Verein innegehabt, weil Deine künstlerische Arbeit unserer beider Ansicht nach absoluten Vorrang hatte.

Inzwischen stehen von Dir im Skulpturenpark acht Arbeiten aus allen Schaffensperioden. Die Neueste entstand in diesem Herbst während des Internationalen Symposiums.

Seit 2003, der Gründung der Galerie am Klostersee, warst Du und bist es bis heute in Einzel -und Gruppenaustellungen präsent.

Ich spreche viel von Kunst und von Arbeit, aber immer scheint in allem auch Dein ganz besonderes Wesen durch!

Bei aller Betriebsamkeit, aller Hektik, allen Risiken - Du bliebst immer zugewandt, freundlich, bedacht und ausgleichend.

Zynismus, Häme, Konkurrenzdenken waren Dir fremd.

Auch darum kenne ich nur Menschen, die Dich lieben.

Am 19. November 2020 kamst Du zur Vorbereitung Deiner Ausstellung „Dreiklang“ mit Jochen Bentrup und Volker Henze, in Begleitung von Burkhardt in die Galerie.

Gegen 15:00 Uhr- eine letzte Umarmung- schwangst Du Dich wieder hinter das Steuer des Lasters und fuhrst durch das Tor...

Liebe Lisa,

meine Familie, unsere Freunde und das Lehniner Institut trauern mit Dir um den wunderbaren Karl.

Er ist uns vorausgefahren...